Sprung

Wie Blei so schwer und schwerer baumeln
seine Beine überm Abgrund leicht
und wenig sorgenvoll im Grunde.
Wohin des Wegs, fragt eine Stimme.
Hinab, hinab – es graut zur Stunde.
Ob und wann das Dunkel schwindet, 
ist so ungewiss wie All und Ozean. 
Es treiben die Zehen weiter ab, 
ziehen alles hinterher. 
Was mich fürchtet, sagte er, 
seien lediglich die Dinge über, hinter. 
Unten ist ganz einfach schon 
zu denken wie ein Sommertag. 
Wie ein Sommertag einst denkbar war. 
Klar wie Morgenluft im Norden. 
Der einzige Grund, dem man sich sicher sei, 
sagt er, fragt er, stellt er fest: 
Ein Ort, der in der Tiefe liegt, 
Tröstend frei und ohne Sorge. 
Blei ist alles, was er stemmt, 
alles was nun an ihm hängt, 
was er fürchtet, über, hinter. 
Nur Unten ist ganz einfach schon 
zu denken wie ein alter Tag,  
der stets, wenn er vorüber war,
so gänzlich leicht sich fühlen ließ. 
Dann ist unten nur noch Bett und Kissen, 
alles Dunkel abgelöst; 
Warm und Träume dann stattdessen, 
wenn der Tag vorüberfließt
und der Sprung gesprungen ist.


Mädchen, Mädchen, Ball

Das Mädchen sucht den Ball, den Ball.
Wo sucht sie ihn? - Im Heu, im Heu,
in dem sie gestern beide saßen.
Ball und Mädchen, Mädchen, Ball.
Freilich war's ein andrer Tag,
nicht so grau und starr und laut.

Wie sie da so beide waren,
Sommersprossenpunkte sie,
Punkte auch der Ball, der blaue;
Augenpunkte in die Ferne,
wo das Meer, das Meer die beiden
baden und wohl lockerleicht
mit Salz sie könnte tragen, tragen,
ähnlich wie das Heu, nur besser;
nicht so stumpf und garstig so
wie's sich in die Ohren bohrt
und stachelt, stachelt in die Ruh.
Nein, das Meer wär weich und gut
auf der Haut wie Kribbelei
und der blaue Spieleball
liebt das Wasser nebenbei
ebenso wie es das Mädchen liebt
und sehnt und liebt und liebt

Dieses Heu nun hier ist träge,
müde, trocknend, ohne Weich.
Mag es höchstens dann gefallen,
wenn das Meer ganz nah, ganz nah
oder aus ihm Dächer werden,
nah am Wasser, nah am Nass.
Ist das Heu denn auf dem Dach?
Ach, zum Kuckuck, denkt das Kind.

Wo der Spielgefährte blieb,
ist ganz klar, wie Wasser klar.
Spieleball ist auf dem Wege,
denkt sich's Mädchen leise, leise.
Dabei schnürt es insgeheim
Päckchen voll mit Heu, mit Heu.
Spricht dabei in Reisewind
wie die Mutter zu dem Kind:
Meer ist dann nur zu genießen,
wenn Du bei Dir hast die Dinge,
die Du sonst wie's Meer vermisstest,
wenn sie grad nicht um Dich sind.



Fagott, spiel

Die Rechnung geht nie auf

Man möge standhaft bleiben

Vielleicht nur ein Mal unachtsam

Und alles liegt in Scheiben

Fagott, spiel nochmal das Tiefe

Während die Zeiger gehen

Schafott, stör nochmal die Blicke

Mach sie mit den Herzen sehen



Teil die Teile nicht in Eile 

Schick deine Obhut dort an Land

Für Seilschaften neue Seile

In Diktatorenaugen Sand



Trau Dich wärmend zu den Kalten

Leg Dich kühlend in das Eis 

Wag mich mit Dir in den Schatten

Bevor ich mich an ihm verbeiß


Die Teller gezählt

Ich hab’ den Blumentopf verstellt

Du hast die Teller schon gezählt

Das, was zurückbleibt, ist das Licht

Denn die Lampen gehör’n uns nicht



Ich hab die Klinken schon geputzt

Dabei haben wir sie kaum benutzt

Du im T-Shirt auf dem Fensterbrett

Mit Deinem Schatten ich im Bett



Unsere Laken waren weiß wie im Hotel 

Die Stadt war uns gut genug
Und meine Haut nicht ganz so hell

Doch die Zeit flieht vorbei wie die Landschaft am Zug

Ich hab’ die Teller schon gezählt


Unten isst man Dreck

Unten isst man Dreck

Oben mit sehr viel Besteck

In der Mitte ein weißer Fleck

Was können wir schon für das Leck